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Geldscheine und Münzen
© José Narciandi
Das Land NRW bringt eine Initiative für ein neues Entschuldungsverfahren auf den Weg
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NRW will weniger Bürokratie für Millionen Überschuldete

Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet doch nur wenige nutzen den Weg aus der Schuldenfalle. NRW will das Verfahren jetzt deutlich vereinfachen und mehr Betroffene erreichen.

Veröffentlicht: Montag, 27.04.2026 11:42

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Das ganze Interview mit NRW-Justizminister Limbach

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Im Interview mit José Narciandi, dem Leiter unseres Landtagsstudio, erklärt NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach seine Pläne.

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José Narciandi
Interview mit NRW-Justizminister Limbach
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NRW will weniger Bürokratie für Millionen Überschuldete
© Justiz NRW
NRW-Justizminister Limbach will das Entschuldungsverfahren vereinfachen
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Zu viele Hürden im Insolvenzverfahren

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Der Weg zur Entschuldung ist für viele Menschen zu kompliziert. Nach Angaben der Landesregierung wagen nur rund 100.000 Betroffene bundesweit den Schritt in ein Insolvenzverfahren obwohl bis zu neun Millionen Menschen überschuldet sind. NRW will deshalb gemeinsam mit Baden-Württemberg die Verfahren modernisieren und Bürokratie abbauen. Justizminister Limbach kritisiert im Interview mit uns vor allem den hohen Aufwand:

„Sie müssen allein drei Anträge stellen, um wirklich in das Entschuldungsverfahren zu kommen. Sie füllen 47 Seiten Antragsformulare aus. Sie müssen einiges doppelt angeben.“ Künftig soll ein einheitliches Formular den Zugang deutlich erleichtern.
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Das ganze Interview mit Verbraucher-Rechtsanwalt Zerhusen

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Im Gespräch mit uns erklärt Rechtsanwalt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale NRW, welche Wege bei einer privaten Überschuldung gegangen werden können und worauf man dabei achten sollte.

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José NarciandiInterview mit Christoph Zerhusen
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Überschuldung oft Folge von Krisen

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In Nordrhein-Westfalen sind rund 1,5 Millionen Menschen überschuldet, fast jeder Zehnte. Laut Experten hat das selten mit mangelnder Finanzkompetenz zu tun. Häufig sind Lebenskrisen wie Jobverlust oder der Tod eines Partners der Auslöser. Rechtsanwalt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale NRW sagt:

„In den wenigsten Fällen geht es um Leute, die einfach nicht mit Geld umgehen könnten.“

Vielmehr gerieten die meisten unverschuldet in finanzielle Notlagen.

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Beratung kommt oft zu spät

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Ein großes Problem: Viele Betroffene suchen erst Hilfe, wenn sich die Lage bereits zugespitzt hat. Zerhusen beobachtet das regelmäßig in der Praxis:

„Die Menschen kommen sehr, sehr spät wenn das Kind schon vollkommen in den Brunnen gefallen ist.“

Sein Rat ist deshalb eindeutig:

„Wenn ich merke, dass mein Einkommen nicht mehr ausreicht, sollte ich relativ früh Beratung aufsuchen.“

Wer früher komme, habe deutlich bessere Chancen, seine Situation noch zu stabilisieren.

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Forderung nach einfacheren Verfahren und besserer Prävention

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Neben der geplanten Vereinfachung der Insolvenzverfahren fordert die Verbraucherzentrale auch mehr Prävention. Finanzbildung in Schulen, leicht zugängliche Beratungsstellen und verlässliche Finanzierung seien entscheidend. Zugleich kritisiert Zerhusen die aktuellen Anträge als zu kompliziert:

„Da sind viele Rechtsbegriffe drin, mit denen der normale Verbraucher überhaupt nichts anfangen kann.“

Sein Fazit: Weniger Bürokratie und bessere Beratung könnten vielen Menschen helfen, schneller aus der Schuldenfalle zu kommen.

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